Es ist kurz vor 6 da klingelt der Wecker. Wie vor ein paar Tagen erwähnt, möchte ich mir einen Traum erfüllen. Alle Vorbereitungen sind getroffen. Wir müssen dafür von Killarney nach Dingle fahren. Das Boot wird um 9:00 Uhr, nicht wie ursprünglich geplant um 8:00 Uhr, ablegen. Wir sind bereits um kurz nach 8 in Dingle, ich hole meinen Neoprenanzug ab, den ich ja bereits anprobiert. Ich ziehe ihn gleich hier vor Ort an. Danach geht’s zum Hafen, wir warten auf das Boot. Wir sind nicht allein, mit uns sind noch ca. 10 andere Leute die ins Wasser wollen. Sean, Jonathan und Micha werden nicht ins Wasser gehen, sie werden das ganze vom Boot aus beobachten.
Das Boot legt ab. Wir befinden uns in einer Bucht, der Bucht von Dingle. Diese Bucht hat ein Tier seit 1983 als sein zu Hause gewählt. Schon nach kurzer Zeit taucht Fungi auf. Fungi ist ein Delfin, ein Einzelgänger, mit andren Delfinen hat er nichts im Sinn. Schon der erste Versuch, ein Foto zu machen, scheitert. So schnell wie er aus dem Wasser kommt, so schnell ist er auch wieder untergetaucht. Um es vorweg zu nehmen, wir haben es nicht geschafft, auch nur ein Foto zu machen. Micha hat dann zum Trost eine Postkarte, die man auf dem Boot kaufen kann, fotografiert und mir das Stolz als sein Foto präsentiert, als ich aus dem Wasser zurück kam.

Nicht ohne Grund werden diese Postkarten verkauft.
Wir stoppen am Ende der Bucht. ein zweites Boot, das wir im Schlepptau haben, fährt nun raus aus der Bucht um Fungi erneut anzulocken, denn er begleitet die Boot halt gern, wenn er dazu Lust hat!!! Jimmy, der die Kohle kassiert hat, sagt zu uns, gleich ist er da und wir können schon mal ins Wasser gehen, ich bin der Erste. Mein Anzug saugt sich mit kaltem Atlantik Wasser voll, der Schreck vergeht aber recht schnell.
Nach und nach kommen alle anderen ins Wasser. Fungi taucht auch auf, ab und zu, aber immer doch in einiger Entfernung. Ich sehe meine Chancen schwinden, das er auch nur mal in meine Nähe kommt. So war es dann auch. Fungi war da, ich war einem wild lebenden Delfin noch nie so nah gewesen, aber das war es auch. Nach ungefähr einer Stunde im eiskalten Wasser gehe ich zurück aufs Boot.
Wie bescheuert kann man eigentlich sein. Zu glauben, man springt mal eben in den Atlantik und dann kommt der Delfin und reicht mir die Flosse zur Begrüßung. Nein aber mal ehrlich, das war mir schon klar, dass das nicht passieren würde. Aber ein bisschen mehr von Fungi zu sehen, hätte ich mir schon gewünscht. Auf die Frage, ob das heute ein besonders schlechter Tag war, meinte Jimmy, dass das ein ganz normaler Tag war. Also man macht hier schon ein bisschen mehr Trubel um das Tier als es in Wirklichkeit ist. Das Dorf zieht dadurch jede Menge Touristen an und die Menschen die hier leben und arbeiten, leben dadurch vielleicht ein bisschen besser als vorher, Dingle ohne Fungi.

Der Tag ist jung und wir wollen uns noch die Gegend ansehen. Wir fahren mit dem Auto, mir bekommt die Autofahrt überhaupt nicht. Wahrscheinlich ist mir die Enttäuschung auf den Magen geschlagen. Wir müssen anhalten, weil ich ansonsten das neue Auto von Sean und Jonathan beschmutzen würde.

Wir klettern einen Berg hinauf. ein bisschen Bewegung tut mir bestimmt ganz gut, hat auch nicht geholfen. Oben angekommen, entdecken wir einen kleinen See.

Danach brechen wir ab, wir fahren zurück nach Dingle, essen etwas und treten den Rückweg nach Killarney an. Jonathan hat mir in der Apotheke ein paar Reisetabletten besorgt und so vergeht die Rückfahrt für mich, wie im Fluge, ich habe geschlafen.